Kleine Menschen und große Schritte

Der erste Abschied in seinem Leben. Es ist ein ganz normaler Tag, und für ihn fühlt sich wahrscheinlich alles wie immer an. Nur mir gehen auf einmal viele Gedanken durch den Kopf. Wie er aus der Tür guckt, und sich freut, mich zu sehen. Wie er „Papa, Papa“ ruft, und dann ganz vorsichtig die einzige Stufe hinunter steigt. „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit“ – so heißt das Armstrong-Zitat im Original. Ich vertausche es innerlich, und heraus kommt: „Ein großer Schritt für einen kleinen Menschen“. Dann kriege ich plötzlich die Menschheit nicht mehr rein, und merke, dass irgendwas falsch war. Aber wer sagt denn auch, dass immer gleich die ganze Menschheit etwas damit zu tun haben muss?

Das hier ist sein erster Abschied. Und das erste Mal, dass ich als Vater so richtig das Heulen kriege. Weil eine Etappe endet. Weil mein Baby, das kleine süße Baby, das wir vor ein paar Tagen erst aus dem Krankenhaus mitnehmen durften, vorsichtig eingepackt in eine viel zu große Babyschale, bereits zwei Jahre alt ist. Weil er in ein paar Wochen den Kindergarten besuchen wird. Und weil die Zeit bei der Tagesmutter ein für alle Mal vorbei ist. Ab jetzt heißt es immer wieder Abschied nehmen: Für ihn und für uns. Eine Station nach der anderen. Jedes Mal Herzklopfen, wenn es weiter geht. Die Hoffnung haben, dass er sich gut eingewöhnt. Und liebevoll an seiner Seite bleiben, wenn die Zeiten stürmisch werden.

„Ein großer Schritt für einen kleinen Menschen“. Mir gefällt das Zitat so besser als im Original. Es passt irgendwie zu dem, was heute geschehen ist. „Gott ist groß im Allergrößten, und noch größer im Allerkleinsten“ hat der heilige Augustinus einmal gesagt. Ich bin mir sicher, dass Gott gerade die ganz kleinen Menschen auf ihrem Weg ins Leben nicht alleine lässt. Dass er jeden neuen Schritt und jeden neuen Anfang segnet. Und vielleicht ist der größte Segen, dass sie selber sich gar nicht so viele Gedanken darüber machen: „Komm Papa… komm jetzt!“