Unterwegs mit Martin und Elisabeth

Im Monat November, wenn es draußen kalt und ungemütlich wird, feiert die Kirche zwei Heilige, bei denen es einem so richtig warm ums Herz wird: Den heiligen Martin (11.11.) und die heilige Elisabeth (19.11.). Der Legende nach haben sich beide um die Grundbedürfnisse von Anderen gekümmert: Wärme in Form von Kleidung und Nahrung in Form von Brot. Das ist keineswegs banal. Denn ohne Kleidung und ohne Nahrung können wir Menschen nicht lange überleben. Martin und Elisabeth erinnern uns daran, dass wir an den Grundbedürfnissen des Nächsten nicht vorbei schauen dürfen. Wir müssen zunächst für akzeptable Lebensbedingungen sorgen, bevor wir uns um seine „höheren“ Bedürfnisse kümmern: Soziale Anerkennung, das Gefühl von Zugehörigkeit, Selbstverwirklichung und religiöses Empfinden.

Wer mit Martin und Elisabeth unterwegs ist, den rührt die Not des Anderen unmittelbar an. Es kann ihm passieren, dass er von seinem hohen Ross absteigt, seinen Elfenbeinturm verlässt, und sich die Hände schmutzig macht. Vielleicht wird er erleben, dass am Ende seine Begegnung mit Jesus steht. Vielleicht aber auch nur, dass die Welt um ihn herum etwas wärmer wird und etwas weniger hungrig bleibt. Vielleicht hat Jesus im November 2018 in Deutschland auch ADHS oder einen schmutzigen Hintern. Liegt dement in seinem Pflegebett und nestelt an der Decke herum. Setzt sich eine Spritze auf der Bahnhofstoilette. Oder schläft irgendwo im Park unter einem Pappkarton.

Nirgendwo steht, dass Martin und Elisabeth in ihrer Zeit eine soziale Reform auf den Weg gebracht hätten. Umso beeindruckender finde ich, dass man nach so vielen Jahren immer noch von ihnen spricht. Vielleicht hat das damit zu tun, dass wir Menschen einfache Zeichen und Symbole bevorzugen. Gerade dann, wenn es draußen kalt und ungemütlich wird.